Altersdepression
Depressionen werden diagnostiziert nach den Kriterien der International Classification of Diseases ICD 10. Wenngleich aufgrund von Vergleichbarkeit, Überprüfbarkeit und für wissenschaftliche Fragestellungen in der ICD 10 bewusst eine Beschränkung auf objektivierbare Zeit- und Verlaufskriterien vorgenommen wurde, so kommt ein Behandler nicht ohne Hypothesen aus, wie depressive Erkrankungen entstehen. Aus diesen Hypothesen leiten sich mehr oder weniger spezifische Behandlungsansätze ab. Traditionell wurde in den Gebieten der Psychotherapie und Psychiatrie Depressionen nach einem so genannten Kielholz-Schema eingeteilt. Die unterscheidet zwischen:
Von einer
Altersdepression spricht man, wenn ein Mensch nach dem 60. Lebensjahr erstmals
depressiv erkrankt. Auszuschließen gilt es bei einer Altersdepression zunächst immer mögliche körperliche Faktoren. Meist ist die Altersdepression allerdings seelisch ausgelöst durch
typische Probleme und Konflikte, die
mit dem Älterwerden zu tun haben. So kann der lang ersehnte Übergang in den
Altersruhestand depressionsauslösend wirken, mit dem resultierenden Gefühl,
seinen angestammten Platz im Leben zu verlieren und jetzt zum alten Eisen zu gehören. Erfahrungsgemäß wird die
Altersdepression oft verkannt. Dies mag zum einen damit zu tun haben, dass
insbesondere jüngere Kollegen in der Gefahr stehen könnten depressive
Beschwerden bei einem älteren Menschen nicht als krankheitsbedingt, sondern als
altersbedingter Normalzustand zu verkennen. Oftmals wird einfach nicht daran
gedacht, dass depressive Erkrankungen, die üblicherweise im jungen
Erwachsenenalter erstmals auftreten, durchaus im höheren Lebensalter sich erst
manifestieren können, in Form eben einer Altersdepression. Schließlich sind die
depressiven Beschwerden einer Altersdepression oftmals überlagert durch vielfältige körperliche Beschwerden, was eine
korrekte Diagnosestellung auch erschwert. Generell unterscheidet sich die Symptomatik einer Altersdepression nicht wesentlich vom allgemeinen Beschwerdebild anderer depressiver Erkrankungen.
Psychische
Symptome einer Altersdepression:
Altersdepression: Körperliche Symptome
Die
Behandlung einer Altersdepression:
Jede
Behandlung einer Depression setzt eine gezielte Diagnostik voraus. Dies gilt
insbesondere für die Altersdepression. Es reicht in keinem Fall aus, lediglich
festzustellen, dass ein Mensch depressiv erkrankt ist. Die genaue initiale
Diagnostik ist wichtig wegen der zuvor dargelegten vielfältigen Ursachen und
unterschiedlichen Verlaufsformen von Depressionen. Zur Diagnostik gehört immer
auch eine körperliche Untersuchung und eine medizinische Anamneseerhebung. Des
Weiteren gehört zur Diagnostik die Identifizierung von individuell prädisponierenden,
vorausgehenden und aufrechterhaltenden Krankheitsfaktoren. Schließlich soll die
Diagnostik nicht alleine Aufschluss darüber liefern, an welcher Art von
Depression ein Mensch leidet. Es geht vor allem auch darum, möglichst genau zu
erfassen, wie das depressive Erleben sich in den konkreten Lebensbezügen eines
Menschen (Beruf, Familie, Freizeit) auswirkt. Bei einer Altersdepression wird üblicherweise der psychotherapeutische Zugangsweg im Vordergrund stehen. Es geht darum den alternden Menschen nicht alleine auf symptomatischer Ebene zu verstehen, vielmehr geht es darum die spezifischen Probleme und Konflikte, die mit dem Älterwerden zu tun haben, anzunehmen und im psychotherapeutischen Prozess zu bearbeiten. Hierzu gehört eine Annahme des Alterns und der damit im Zusammenhang stehenden vielfältigen Kränkungen auf biologischer, psychologischer und sozialer Ebene. Es geht um eine Bilanzierung in der zweiten Lebenshälfte, als Voraussetzung für eine anstehende Neuorientierung.
Begleitend
zum psychotherapeutischen Prozess der Altersdepression ist stets die Frage einer
begleitenden psychopharmakologischen Behandlung zu diskutieren. Falls die
Indikation zur begleitenden Behandlung mit Antidepressiva gestellt wird, ist
beim älteren Menschen zu berücksichtigen, dass oftmals geringere
Medikamentendosen bereits zum gewünschten Erfolg führen. Zudem sind
Indifferenzen mit Medikamenten aus anderen Fachgebieten in besonderer Weise zu
berücksichtigen. Die Behandlung der
Altersdepression in der Hardtwaldklinik II: Die Hardtwaldklinik II ist eine psychotherapeutische/psychosomatische Rehabilitationsklinik mit 25-jähriger Tradition. Pro Jahr werden etwa 2000 Patienten im Rahmen durchschnittlich 6-wöchiger Heilverfahren behandelt. In den vergangenen Jahren machten verschiedene Formen depressiver Erkrankungen jeweils knapp mehr als 50 % der Patienten aus. Nimmt man alle gestellten Diagnosen zusammen, so leiden etwas mehr als 2/3 aller Patienten an depressiven Störungen. Da die Hardtwaldklinik II bislang überwiegend von Rentenversicherungsträgern belegt wird, liegt das Durchschnittsalter unserer Patienten bei etwa 43 Jahren. Gehäuft kommen in letzter Zeit allerdings Patienten mit einer Altersdepression zur Aufnahme, so dass die Hardtwaldklinik II auch in diesem Spektrum depressiver Erkrankungen über ausreichende Behandlungserfahrungen verfügt.
Die
psychotherapeutische Behandlung einer Altersdepression in der Hardtwaldklinik II
ist im Regelfall immer eine Kombination aus hochfrequenter Gruppenpsychotherapie
und begleitenden einzelpsychotherapeutischen Gesprächen. Bei der
Gruppentherapie wechseln sich jeweils sprachliche Verfahren (analytisch-interaktionelle
Therapie oder verhaltenstherapeutische Depressionsgruppe) ab mit einem
Kreativverfahren (Gestaltungstherapie, konzentrative Bewegungstherapie oder
Musiktherapie).
Bei der
Gruppentherapie von Patienten mit einer Altersdepression sind nach unserer
Erfahrung die von I. D. Yalom beschriebenen allgemeinen Wirkfaktoren einer
Gruppentherapie von besonderer Bedeutung. Der depressive Patient wird in einer
Therapiegruppe auf Gleichgesinnte und
damit auf Verständnis stoßen. Kontrastierend zu häuslichen oder
betrieblichen Vorerfahrungen, demzufolge man ihm nicht glaubte, erkrankt zu
sein, wirkt das Verständnis von Mitpatienten entlastend. Das Miterleben der
Besserung der depressiven Symptomatik bei Mitpatienten wird Hoffnung vermitteln,
die eigene Depression zu überwinden, ebenso wie die gehörten Berichte der Bewältigung
früherer Krankheitsphasen. Die Gruppe bietet zudem Möglichkeiten, aus den gehörten
Krankheitsberichten Eigenes wiederzuentdecken und mit Hilfe fremder Rückmeldungen
die eigene Lebensgeschichte besser verstehen und
einordnen zu können. In der sozialen
Matrix der Gruppe können eigene ungünstige Verhaltensmuster erkannt
werden. Zugleich stellt dies den Beginn dar, neuere und günstigere Techniken
des mitmenschlichen Umgangs zu entwickeln. Insgesamt bietet die Gruppentherapie
neben der Chance zum vertieften Verständnis der eigenen Depression die Möglichkeit
zu korrigierenden emotionalen Erlebnissen. Wichtiger Bestandteil eines stationären Heilverfahrens sind verschiedene Informations- und Vortragsveranstaltungen, die sich im engeren und weiteren Sinn mit Fragen der Depression und Depressionsbewältigung beschäftigen. Obligatorisch ist das Erlernen der Grundzüge eines Entspannungsverfahrens. Gestufte sportliche Aktivitäten, Terrainwanderungen in freier Natur, Schwimmen (und Saunieren) stellen wichtige Angebote dar, den eigenen Körper wieder in positiver Weise zu erleben.
Eine
obligatorische Anamneseerhebung und ärztliche Untersuchung sollen Aufschluss
darüber geben, ob körperliche Erkrankungen oder pharmakologische
Nebenwirkungen vorliegen, die eine Altersdepression begünstigen. Ggf. wird ärztlicherseits
eine Behandlung eingeleitet oder diese modifiziert. Es erfolgt eine individuelle
Beratung darüber, ob und warum eine begleitende psychopharmakologische
Behandlung als sinnvoll erachtet wird. Die Psychopharmakotherapie
geschieht nach den Leitlinien der wissenschaftlichen Fachgesellschaften. Ein wesentliches Augenmerk wird in unserer Klinik, unserem Grundverständnis als Rehabilitationseinrichtung folgend, auf die konkreten Auswirkungen einer Depression auf den privaten und bei der Altersdepression seltener den beruflichen Alltag gelegt. In Zusammenarbeit mit Sozialpädagogen ermitteln wir frühzeitig, ob nach der stationären Behandlung noch ein Bedarf an weiteren Rehabilitationsmaßnahmen besteht. So wird überprüft, ob sich an die vollstationäre Behandlung ein tagesklinischer Aufenthalt heimatnah anschließen sollte oder Kontakte zu Selbsthilfegruppen, einem Seniorenclub oder anderen psychosozialen Betreuungsangeboten vor Ort geknüpft werden sollte. Soweit uns dies in der Klinik möglich, werden solche Anregungen während des stationären Aufenthaltes mit dem Patienten nicht nur vorbesprochen, sondern die Maßnahmen nach Möglichkeit auch bereits eingeleitet.
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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